Dark Whispers von Beatrice Minda

Nach „Innenwelten“, einem Band, der sich Wohnungen von Rumänen und Exilrumän*innen widmet und einer Arbeit über Interieurs im Iran, wendet sich Beatrice Minda in einem weiteren Werkkomplex Innenräumen zu, die unserem Auge fremd anmuten.

Mit „Dark Whispers“ bekommen wir Einblicke in Behausungen auf Myanmar, das Beatrice Minda kurz vor dem Militärputsch bereiste. Der Begriff „Behausung“ beschreibt am besten, was wir im vom Kolonialismus und Militär geplagten Land, dem einstigen Burma, zu sehen bekommen: Es sind einfache, aus Bambus geflochtene Hütten, aber auch heruntergekommene Villen von ehemals wohlhabenden Händlern und Farmern aus England, China und Indien. Weiterlesen

Fotobuch von Thomas Kellner zu Fachwerkhäusern des Siegener Industriegebiets heute

Im Verlag Seltmann Publishers erschien so eben das Fotobuch zu Fachwerkhäusern des Siegener Industriegebiets heute von Thomas Kellner parallel  zu einer Ausstellung seiner Bilder. Den Begleittext zu dem Band habe ich geschrieben.

Den Band gibt es als Paperback- und als Hardcover-Ausgabe.

Von der Paperback-Ausgabe gibt es 100 Stück beim Verleger.
Von der Hardcover-Ausgabe gibt es 95 Stück, die mit einem print zusammen beim Fotografen zu beziehen ist.

Ausstellung von Thomas Kellner in der Art-Galerie in Siegen

Friederike v. Rauch: Monastic

Mariendom Maria, Königin des Friedens


Kloster San Giorgio Maggiore

Wie kaum ein anderer Ort ist die Vorstellung vom klösterlichen Leben für Außenstehende durch innere Bilder von sehr hellen oder sehr dunklen Räumen bestimmt: Sie mögen als Zentrum der Selbstbesinnung und Gottesnähe einen karg ausgestatteten, aber ruhigen und weltabgewandten Zufluchtsort inmitten sorgsam gehegter Natur verheißen. Sie können aber auch, ganz im Gegenteil als Stätte fremdbestimmter, historisch nicht immer frei gewählter, lebenslanger und strenger Entsagung mit einem leisen Schaudern betrachtet werden. Physischen Zutritt gibt es nur zu vom Kloster selbst ausgewählten, freigegebenen Bereichen. Das praktische Interesse am Leben in religiösen Gemeinschaften ist indes sehr verhalten, wie die Schwierigkeiten, Nachwuchs für die Orden zu finden, zeigen. Die Architekturfotografin Friederike von Rauch wählt in ihrer Arbeit einen formalen Zugang, der sich ganz auf Räume und Raumfragmente des Klosterinneren verlegt: Es geht nicht um das Gemeinschaftsleben selbst, um Riten und Andacht, sondern um die tiefe und nach innen gerichtete Konzentration, welche die intensive Erfahrung des Raumes dem Einzelnen abverlangt. Weiterlesen

Aenne Biermann. 60 Fotos

Als Aenne Biermanns schlankes Büchlein mit 60 Fotografien und einigen bereits andernorts ähnlich publizierte Thesen zur Fotografie von Franz Roh im Jahr 1930 im Verlag Klinkhardt & Biermann erschien, hatte, wie Hans Michael Koetzle in einem schönen Essay darlegt, der Verlag Großes vor: Franz Roh wollte gemeinsam mit dem Typografen Jan Tschichold und Mitstreitern eine eigene „Fototek“ herausgeben, die Titel weiterer Bände waren schon angekündigt. Weiterlesen

Wind in Sicht: Windenergie, eine neue Ära wird besichtigt

Ein historisches Schiff mit geblähten Segeln gleitet an einem schmalen, in die Höhe ragenden, strahlend weißen Windrad vorüber, das stolz und frei seine Flügelrotatoren dem Wind entgegen zu recken scheint. Im Bildhintergrund schmiegt sich ein Städtchen mit Kirchturm ans Ufer. Der Himmel ist blau, von kleinen Wolken durchzogen – das Coverbild von Ulrich Mertens Buch „Wind in Sicht“ verbindet Vergangenheit und Zukunft.

Ulrich Mertens hat eine Art Expedition durch Deutschlands Landschaften im Zeichen der Windenergie unternommen, um innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren die neue Ära zu begleiten: Dazu besuchte er Windenergieanlagen quer durch die Republik, baut als Fotograf berufliche Kontakte zum Bundesverband Windenergie auf, zu Anlagenbetreibern und Arbeitskreisen. Weiterlesen

Fotobuch »Reflecting Pools« von Christina Werner

Healing New York – im Widerstreit der Zeichen

Für das Abwesende eine Form zu finden, die das historisch Einzigartige eines schrecklichen Ereignisses fassen kann und die sich doch gegenüber ästhetischen Zeitvorlieben, mit denen schon die nachfolgende Generation nichts mehr anzufangen weiß, maßvoll zurückhält, ist die schwierige, oft kaum einlösbare Aufgabe von Memorials. (…)

Als besonders schwierig und konfliktträchtig erwies sich vor dem Hintergrund widerstrebender Interessen die städtebauliche Gestaltung des Geländes von Ground Zero: Bei der Attacke von 9/11 auf das World Trade Center in Manhattan waren fast 3000 Menschen getötet worden, traumatisierende Filmbilder der angreifenden Flugzeuge und ein verwüstetes Gelände voll Schutt und Staub hatten sich tief ins kulturelle Gedächtnis eingeprägt. (…) Weiterlesen

Spannend wie eine Detektivgeschichte: Das erste Buch zur Fotografie im Jahre 1844

42-7560 ZeichenKein anderes Buch in der Geschichte des Mediums war einflussreicher als Wilhelm Henry Fox Talbots rund 120 Seiten umfassende Foto-Buch „The Pencil of Nature“. Mit der Bedeutung der Gutenberg-Bibel für den Druck vergleicht Beaumont Newhall in seiner Einführung das Gewicht von Talbots Werk im Hinblick auf die Fotografie, vom „ersten Buch über die ästhetische Erfahrung der Fotografie“ spricht Hubertus von Amelunxen. Der gleichermaßen mathematisch-naturwissenschaftlich wie philologisch gebildete Fotopionier und Altertumsforscher Talbot vertrieb das mit 24 eingeklebten Kalotypien aufwändig produzierte Buch in einer überschaubaren Auflage an Subskribenten.

Talbots im Arabesken-Stil des 19. Jahrhunderts anmutig gestaltetes Buch ist zwar nicht das erste Buch, das mit durch fotografische Verfahren entstandenen Bildern illustriert ist – dieses Verdienst kommt nach derzeitigem Kenntnisstand einer Frau zu, Anna Atkins, die Fotogramme von Pflanzen für das (nicht kommerziell vertriebene) Album „British Algae, Cyanotype Impressions“ bereits 1843/44 erstellte. Aber es ist die erste Einführung in Chancen und Grenzen des neuen Mediums von einem der zahlreichen, um Anerkennung konkurrierenden „Vätern“ des Mediums selbst, souverän und im Bildteil mit kriminologischer Verve erzählt. Weiterlesen

Jean Claude Mouton: L’espace entre – territoires urbains


Für das Fotobuch „L’espace entre – territoires urbains“ (der Raum dazwischen – städtische Gebiete) von JeanClaude Mouton habe ich einen Begleittext geschrieben den ich im folgenden auszugsweise wiedergebe. Fotografien aus Berlin, Paris, Nanterre und Dunkerque sind in dem in der Edition Disadorno, Berlin veröffentlichten Fotobuch versammelt.

Im Fall von Berlin, mit seiner über vier Jahrzehnte hinweg politisch fest gefrorener Stadtgeschichte, ist Jean Claude Mouton angesichts des Stadtumbaus und der wieder freigelegten Erde nicht den üblichen Assoziationsketten zu ausgetrockneten Flussläufen, einstigen Wäldern oder prähistorischen Urmeeren nachgehangen, die sich bei solch imaginären Zeit-Spulungen zu längst vergangenen Epochen in der Regel einstellen. Weiterlesen

Aus Berlin: Neue Architekturfotografie

Berlin im 20. Jahrhundert, Kulminationspunkt deutscher wie europäischer Geschichte, stand nach der Wende im Fokus divergierender wirtschaftlicher Interessen und fluktuierenden Lebensformen. Aus der Mauerstadt, in der sich auch mit wenig Geld leben ließ, wird die immer teurer und schicker werdende Hauptstadt, die Bewohner müssen sich zwischen alter und neuer Stadtrealität zurecht finden. Den theatralisch gestimmten Auftakt des Fotobandes „Berlin Raum Radar“ setzt Andreas Mühe. Man sieht, als befände man sich mental in ungebrochen patriarchalischen Zeiten, die angestrahlten Rückenfiguren von festlich gekleidetem Herrn und blonder Dame, die vor einem transparenten Balkongeländer die Aussicht auf Fernsehturm und Kuppel genießen: „Heiner und seine Frau“, 2008 lautet die Bildunterschrift. Um was für einen Heiner mag es sich hier handeln, der hier so programmatisch und doch anonym am Anfang des Buches ins Bild gesetzt wird? Heiner Bastian liest man in einer anderen Bildunterschrift bei der Netzrecherche: Hier steht also der wegen seiner Sammlungs- und Leihpolitik umstrittene Kunstsammler mit Celine Bastian auf dem Dach seines Kunst-Hauses am Kupfergrabendamm und schaut auf die Museumsinsel hinüber?

Friederike von Rauch: Philharmonie 2

Solche Feinheiten werden uns im Buch zur gleichnamigen Ausstellung mit seinem ansonsten sehr schönen und überzeugenden Parcours von 34 FotografInnen leider vorenthalten oder als bekannt vorausgesetzt. Weiterlesen

Leipzig vor der Wende: Die Achtziger Jahre mit dem Blick eines Expats

Ein Selbstporträt des sorgfältig mit einem weißen Hemd bekleideten palästinensischen Fotografie-Studenten Dabdoub in einem Studentenwohnheim der DDR, der seiner Aufgaben gefasst in einen kleinen, gerahmten Spiegel entgegenschaut, eröffnet den Fotoband mit Schwarzweißaufnahmen über das Leipzig der Achziger Jahre. Flankiert von einem Grußwort seines damaligen Professors und einem Interview über die für Mahmoud Dabdoub sujektiv bis zur Wende als Jahre des Aufatmens und Getragenwerdens empfundene Zeit setzt der Hauptteil dann ein mit eindringlichen Aufnahmen vom dunstverhangenen Bahnhof. Weiterlesen