Im Sommer 2022 erschien mein neues Buch im Wasmuth & Zohlen Verlag

Hervorgehoben

„Vom Reiz der Peripherie. Architektur und Fotografie“ 131 S., 11 Abbildungen mit Fotografien von Joachim Schumacher, Gerhard Vormwald, Inge Rambow, Jean Claude Mouton, Christian v. Steffelin, Philipp Meuser, Loredana Nemes, Ralf Schmerberg, Elger Esser, Julia Kissina, Karsten Hein, 24.80 €

ISBN 978-3-8030-3420-5, Berlin 2022

bestellbar und erhältlich im Buchhandel

Peripherie zeigt unterschiedliche Gesichter: Oft ist sie nur Resultat achtloser Planung. Manchmal indes begegnen wir innerstädtisch wachsender Peripherie in einem Zustand der Schwebe, in welchem Altes in Neues übergehen kann – ein Zwischenreich noch unausgeschöpfter Möglichkeiten fern des Zwanges zur ästhetischen Optimierung. Fotografie weiß Dinge zu zeigen, die wir ohne sie nicht sehen würden. Ganz besonders berührt uns das in fotografischen Arbeiten, die sich dem eigentlich Vertrauten widmen, der Peripherie, den Plattenbauten, Städten im Ruhrgebiet, dem strukturschwachen ländlichen Raum, dem Alltag in Deutschland, wie ihn Dokumentarfotografinnen sahen, die noch als Kind den Weltkrieg erlebt hatten.

All dies, mit einem Exkurs zu Blinden in der Fotografie, zeigt Kapitel für Kapitel welche Bedeutung architektonisch gestalteten oder vernachlässigten Räumen in unserem Leben zukommt, wie sie unsere Erinnerung bestimmen und welche wichtige Rolle hier die Fotografie einnimmt.

Eine schöne und informative Rezension von Michael Kröger zu meinem Buch „Vom Reiz der Peripherie“ befindet sich im Kunstbuchanzeiger.

Eine wunderbare Rezension von Ruth Asseyer befindet sich auf Kulturport.de.

Katharina Gruzei: Mir Metro

Einen atemberaubenden fotografischen Streifzug durch die Moskauer Untergrundbahn bietet Katharina Gruzei mit ihrem Fotobuch „Mir Metro“.

Ihr durchdacht gestaltetes, ja geradezu rhythmisch getaktetes Buch zeigt Aufnahmen, die zwischen 2008 und 2020 entstanden sind. Historische Fotografien in Schwarz-Weiß und glänzend geschriebene Essays zur Baugeschichte und zum utopischen Potential der Metro in der früheren Sowjetunion begleiten die Farbbilder. Ihre Fülle ist überwältigend, wir bewegen uns mit ihnen durch die Architekturgeschichte der Stationen und Pavillons, die vom Pomp bei Material und Ausstattung zur Stalinzeit über zurückhaltende Ornamentik bis hin zu kühnen Deckenkonstruktionen reicht.

Weiterlesen

Johannes Gramm: Dinge

Dinge – Erinnerungen und ihre Gegenstände bei Tageslicht

„Das tut es doch noch“, pflegten ältere Leute gerne zu sagen, wenn es darum ging, ob ein Gegenstand, mit dem man gerne hantiert hat, auf einmal durch einen neuen, cleanen und moderneren ersetzt werden sollte. Und oft hatten sie mit ihrem Beharren auf dem Bewährten recht, denn nicht immer ist das Neue, auch das Stabilere oder Formschönere. Gegenstände, die das Zeug dazu haben, uns ein Leben lang zu begleiten, wachsen uns ans Herz, auch wenn wir es erst spät bemerken.

Weiterlesen

Dark Whispers von Beatrice Minda

Nach „Innenwelten“, einem Band, der sich Wohnungen von Rumänen und Exilrumän*innen widmet und einer Arbeit über Interieurs im Iran, wendet sich Beatrice Minda in einem weiteren Werkkomplex Innenräumen zu, die unserem Auge fremd anmuten.

Mit „Dark Whispers“ bekommen wir Einblicke in Behausungen auf Myanmar, das Beatrice Minda kurz vor dem Militärputsch bereiste. Der Begriff „Behausung“ beschreibt am besten, was wir im vom Kolonialismus und Militär geplagten Land, dem einstigen Burma, zu sehen bekommen: Es sind einfache, aus Bambus geflochtene Hütten, aber auch heruntergekommene Villen von ehemals wohlhabenden Händlern und Farmern aus England, China und Indien. Weiterlesen

Fotobuch von Thomas Kellner zu Fachwerkhäusern des Siegener Industriegebiets heute

Im Verlag Seltmann Publishers erschien so eben das Fotobuch zu Fachwerkhäusern des Siegener Industriegebiets heute von Thomas Kellner parallel  zu einer Ausstellung seiner Bilder. Den Begleittext zu dem Band habe ich geschrieben.

Den Band gibt es als Paperback- und als Hardcover-Ausgabe.

Von der Paperback-Ausgabe gibt es 100 Stück beim Verleger.
Von der Hardcover-Ausgabe gibt es 95 Stück, die mit einem print zusammen beim Fotografen zu beziehen ist.

Ausstellung von Thomas Kellner in der Art-Galerie in Siegen

Ausstellung von Thomas Kellner in der Art-Galerie in Siegen

Online gehaltene Rede zur Ausstellungs-Eröffnung am 14.02.2021:

Ich begrüße Sie zur Ausstellung von Thomas Kellner in der Art-Galerie in Siegen, der Stadt in der Thomas Kellner seit Jahrzehnten lebt und arbeitet.

Wer mit Leib und Seele in der Geschichte der Fotografie zuhause ist, wird sich nicht wirklich darüber wundern, weshalb Thomas Kellner, gerade in Siegen sein Atelier unterhält. International als Fotograf unterwegs ist er für seine Architekturaufnahmen von berühmten Bauwerken bekannt geworden. Selbst ein begeisterter Tänzer, scheint er auf seine Weise mit Kompositaufnahmen, die ein Bauwerk Stück für Stück segmentieren und leicht schwingend wieder zusammensetzen, Philosophie und Kunstgeschichte zum Tanz zu bitten. Mit seiner Profession hätte ihm die ganze Welt offengestanden. Als Fotograf, der konzeptionell arbeitet und eine akademisch-künstlerische Ausbildung genossen hat, wählte er dennoch eine recht überschaubare Universitätsstadt zu seinem Lebensmittelpunkt. Und das ist wohlbegründet und gut so – und war, wie Thomas Kellner darlegt, nicht nur eine private Entscheidung. Ein ganz besonderes Band verbindet ihn mit Wohnsitz und Arbeitsstätte, Sie werden es erraten: Gleich drei für das zwanzigste Jahrhundert überaus folgenreiche Akteure, die zwei voneinander unabhängige ästhetische Positionen entwickelt haben, verdanken ihre Inspiration der, nennen wir es der Einfachheit halber „Provinz“ – ohne es jetzt despektierlich zu meinen, sondern lediglich in Abgrenzung zum Kulturgeschehen in den „Metropolen“. Da wäre zunächst August Sander zu nennen. Weiterlesen

Vom Industrie-Moloch zur Kulturlandschaft – Das Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet hat sich mit viel Fantasie und ungewöhnlichen Lösungen binnen weniger Jahrzehnte ein neues Gesicht gegeben. Eine Umgestaltung der Landschaft im Revier reicht von der Rekultivierung der Emscher, der einstigen Kloake des Ruhrgebiets, über begrünte Halden bis hin zu Erlebnisparks oder Industrie-Museen in architektonisch eindrucksvollen Industrieanlagen. Wie wurde dieser Wandel bewältigt, was waren die architektonischen Probleme und Herausforderungen, wie sahen die Leitideen aus?

Mein Essay

Link zum Nachhören oder zum Lesen

Valérie Wagner: Der leere Himmel

Selbstverständlich ist uns in unserem eigenen Umfeld so vieles inzwischen nicht mehr: Gesunde, schattenspendende Bäume, Insekten, sie allerdings vermissen wir je nach Art oft nur aus rationalen Erwägungen – und nicht zuletzt: Singvögel, einheimische- und Zugvögel. Gezwitscher, Unbekümmertheit, Anmut verbinden wir mit ihnen, ein wenig Fernweh und den Wunsch zu Fliegen. Letzteren hat sich die Menschheit in Schwärmen erfüllt, mit für das Klima und die echten Vögel fatalen Folgen. Die in Hamburg lebende Fotografin Valérie Wagner hat Vogelformationen am abendlichen Himmel fotografiert, ein wenig gespenstisch muten sie an, als könnten sie nur noch in unseren Träumen vorkommen und wie ein Alptraum erscheint ihr sang- und klangloses Verschwinden. Aufgenommen wurden die Vögel 2018 auf wenig besiedelten „Zufluchtsorten“ wie Helgoland und der Insel Neuwerk im Wattenmeer, sowie in Mecklenburg. Das vierteilige Projekt „Der leere Himmel“ konfrontiert in einem weiteren Werkkomplex die Betrachter dann jäh mit der vollendeten Zukunft: Wir sehen, von der Seite aufgenommen, wehrlos auf dem Rücken liegende Vögel, wie gerade aus dem Leben gerissen, mit schönen, klug blickenden Augen und prächtigem Gefieder. Sie sind ausgestopft und werden zu Lehrzwecken gezeigt. Valérie Wagner hat sie im Centrum für Naturkunde an der Universität Hamburg und im Norddeutschen Vogelmuseum fotografiert. Weiterlesen

Friederike v. Rauch: Monastic

Mariendom Maria, Königin des Friedens


Kloster San Giorgio Maggiore

Wie kaum ein anderer Ort ist die Vorstellung vom klösterlichen Leben für Außenstehende durch innere Bilder von sehr hellen oder sehr dunklen Räumen bestimmt: Sie mögen als Zentrum der Selbstbesinnung und Gottesnähe einen karg ausgestatteten, aber ruhigen und weltabgewandten Zufluchtsort inmitten sorgsam gehegter Natur verheißen. Sie können aber auch, ganz im Gegenteil als Stätte fremdbestimmter, historisch nicht immer frei gewählter, lebenslanger und strenger Entsagung mit einem leisen Schaudern betrachtet werden. Physischen Zutritt gibt es nur zu vom Kloster selbst ausgewählten, freigegebenen Bereichen. Das praktische Interesse am Leben in religiösen Gemeinschaften ist indes sehr verhalten, wie die Schwierigkeiten, Nachwuchs für die Orden zu finden, zeigen. Die Architekturfotografin Friederike von Rauch wählt in ihrer Arbeit einen formalen Zugang, der sich ganz auf Räume und Raumfragmente des Klosterinneren verlegt: Es geht nicht um das Gemeinschaftsleben selbst, um Riten und Andacht, sondern um die tiefe und nach innen gerichtete Konzentration, welche die intensive Erfahrung des Raumes dem Einzelnen abverlangt. Weiterlesen

Vorträge zu Fotografie und Wahrheit

Im Rahmen der Vienna Art Week halten Ruth Horak und ich im Kunst Haus Wien am 20.11.19 Vorträge zum Thema Fotografie und Wahrheit. Die Veranstaltung beginnt um 17:30 Uhr.

Gebaute Wahrheiten, 17:30
PD Dr. Andrea Gnam, HU Berlin und Universität Wien und Mitglied Deutsche Fotografische Akademie

Fotografie ist nicht Wahrheit und Wahrheit nicht Fotografie, dennoch ließen sich drei Wahrheiten wie Bausteine aneinanderfügen: Die Wahrheit der Fotograf*innen in der Reflexion ihrer technischen und sozialen Möglichkeiten sowie die subjektive der Rezipient*innen, die in den Fotos nach einer Art von (Selbst)Erkenntnis suchen. Architekturfotografie ist ein Feld, auf dem diese Fragen immer wieder neu verhandelt werden, der Vortrag stellt klassische und aktuelle Positionen in diesem Kontext vor.

Der Ausschnitt steht der Wahrheit im Weg, 18:00
Ruth Horak, Kunsthistorikerin, Kuratorin und Lehrende für zeitgenössische Fotografie und Fototheorie

Wahrheit und Wirklichkeit werden seit jeher mit der Fotografie verknüpft, und beharrlich – wenn auch nicht verlässlich – ist die Idee, dass eine Fotografie ein Beweis sein und die Wahrheit „ans Licht bringen“ könne. Als Argument werden gern ihre unendlichen Einzelheiten angeführt. Dabei steht ihr eines im Weg: die Tatsache, dass sie stets ein Ausschnitt des Gesamten ist. Der Ausschnitt betrifft Raum und Zeit, er ist Ergebnis eines subjektiven Standpunktes und mitverantwortlich dafür, dass ein Bild bestenfalls Teilwahrheiten für sich beanspruchen kann.

Diskussion, 18:30

Siehe auch die Ankündigung des Kunst Haus Wien.