Besprechung meiner kleinen Kulturgeschichte „Bilder und Wörter“

Der Kunsthistoriker Dr. Armin Panter, ehemalige Leiter des Hällisch-Fränkischen Museums in Schwäbisch-Hall, hat eine kundige Besprechung meines Buches für den Blog der Schweizer Kunsthistoriker*innenvereinigung AICA geschrieben:

Spätestens mit der Verschriftlichung von Sprache vor etwa 5000 Jahren gingen Bilder und Worte eine brillante Allianz ein. Bis heute bestimmt ihr Zusammenspiel unser Denken. Versuchen wir Geschichte aber auch Gegenwart zu verstehen, so gilt es, diese Quellen zu entschlüsseln.

Mit der Höhlenmalerei von Lascaux beginnend, führt uns Gnam durch die Kulturgeschichte bis hin zu den heutigen Wandmalereien der Großstädte, den Graffitis. Dabei steht die Verbindung von Bild und Wort im Zentrum der Untersuchung. Schon den frühesten Darstellungen von Tieren fügten unsere Vorfahren abstrakte, teils geometrische Zeichen bei, deren Bedeutungen heute völlig im Dunkeln liegen. Vieles spricht dagegen, die Bilder lediglich als Jagdzauber zu interpretieren. Uns fehlen schlicht die Codes zu ihrer Entschlüsselung. Wir benötigen zu den gemalten auch schriftliche Quellen.

Exemplarisch gewährt uns die Autorin spannende Einblicke in Themen wie Bildersturm und Heiligendarstellung oder die Entdeckung der Zentralperspektive, die eine Einteilung der Welt in ein geometrisches Raster erlaubte, und Werbeplakate als massenwirksam manipulierte Symbiosen von Bild und Wort.

Wir alle wissen: weder historische Bilder noch Texte lassen sich allein aus heutiger Sichtweise verstehen. Gnam weist anschaulich nach, dass Worte und Zeichen, aber auch Mimik und Gestik ihre Bedeutung ändern; und wir erfahren am Beispiel des Teppichs von Bayeux, wie Fehlinterpretationen bedingt durch mangelhafte Reproduktionen über Text- und Bildkorruption bis hin zu nationalen Interessen der in diesem Fall englischen und französischen Historiker entstehen. Zu der Annahme, Bilder spiegelten objektiv Wirklichkeit wider, meint die Autorin: «Bilder sind Quellen für Mentalitäten, aber nicht zwingend für historische Lebensumstände.» Unter anderem prägten ältere Vorlagen und häufiger noch Bildtraditionen oder ästhetische Absichten des Künstlers sowie Erwartungen der Auftraggeber die Kunstwerke.

Gnam beschreibt, wie jede Zeit ihre Allianz von Wort und Bild gestaltet. Als anschauliches Beispiel für die Lenkung unserer Wahrnehmung und unseres Denkens zeichnet sie uns den gezielt eingesetzten Gebrauch des Bildes vom Atompilz über Hiroshima – eine globale Medienikone – als ein «sauberes» Zeichen für Massenvernichtung nach. Der Leser erfährt über die Themenschwerpunkte und die im Zusammenhang mit ihnen besprochenen Objekte Grundlegendes über die jeweilige Gesellschaft, aber auch über die wissenschaftliche Erschließung ihrer Kunst. Zugleich sensibilisiert das Buch für den methodischen Umgang mit den beiden Quellengattungen Text und Bild. Die in lebendiger und zugleich präziser Sprache verfassten Exkurse führen mehrfach in die Gegenwart. Themen wie Text- und Bildkorruption oder Bildpolitik als Machtpolitik bleiben weithin höchst aktuell.

Bilder und Wörter – Kleine Kulturgeschichte einer brillanten Allianz. Andrea Gnam. Iudicum Verlag München 2025. 233 Seiten

Bilder und Wörter – Kleine Kulturgeschichte einer brillanten Allianz

Hervorgehoben


Am 28. Juli 2025 ist mein neues Buch im Iudicium-Verlag erschienen:

Bilder und Wörter bestimmen unser Denken und die Entwicklung unserer Kultur. Wir reagieren auf Bilder anders als auf Worte, aber wir benötigen beides, um unsere Umwelt zu verstehen, zu gestalten und zu verändern.
Ein Streifzug durch die Kulturgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart zeigt, wie einflussreich und wirkungsmächtig für Kunst, Religion, Politik und das öffentliche Agieren und Überzeugen gerade die Verbindung von Bildern und Wörtern gewesen ist und welch großer Stellenwert ihnen bis heute zukommt.
Was haben die Einführung der Zentralperspektive und die Rechtfertigung des Abwurfs der Atombombe über Hiroshima und Nagasaki gemeinsam? Wem gehört der öffentliche Raum, den sich Werbung, Graffiti und Kunst teilen? Was steckt hinter wiederkehrender Bilderstürmerei?

INHALT

  • Einleitung
  • 1. Wirkungsmächtige Bilder, prägende Sprache: Ein Zusammenspiel
  • 2. Bilder und Gemälde als historische Dokumente?
  • 3. Mittelalterliche Bildwelten und Umbruch in der Renaissance, mediale Verführungen
  • 4. Bildpolitik als Machtpolitik
  • 5. Die Imagination schüren
  • 6. Wandel in den Formen des Denkens: Raumbildende Zentralperspektive und späte Widerlegungen
  • 7. Atompilz und Atomblitz: Wortbildkombinationen im Wandel
  • 8. Werbung und Kunst – von der Affichomanie bis zum Surrealismus
  • 9. Ins Bild gesetzt: Politische Inschriften auf öffentlichen Gebäuden und Straßen im 20. und 21. Jahrhundert
  • 10. Graffiti im Spannungsfeld von Politik, Kunst und Justiz
  • Literaturverzeichnis
  • Bildnachweise

Eine schöne Buchbesprechung und zugleich ein Porträt über mich in der BNN von Georg Patzer.

Sehr ausführlich und kundig auch im Kultur-Port Ruth Asseyer.

Wissenschaft und Essayistik

.. schließen sich nicht immer aus. Ich freue sehr mich über eine weitere, sehr grundlegende Besprechung meines Buches „Bilder und Wörter“, die meine besondere Vorgehensweise beim Schreiben und Argumentieren kommentiert:

http://www.kulturbuchtipps.de/archives/2893

2025, 232 Seiten, kt., 22,— EUR
ISBN: 978-3-86205-807-5
E-Book (PDF) ISBN: 978-3-86205-983-6 · 14,99 EUR

Im Herbstprogramm 2022 des Wasmuth & Zohlen Verlags

„Vom Reiz der Peripherie. Architektur und Fotografie“ 131 S., 11 Abbildungen mit Fotografien von Joachim Schumacher, Gerhard Vormwald, Inge Rambow, Jean Claude Mouton, Christian v. Steffelin, Philipp Meuser, Loredana Nemes, Ralf Schmerberg, Elger Esser, Julia Kissina, Karsten Hein, 24.80 €

ISBN 978-3-8030-3420-5, Berlin 2022

bestellbar und erhältlich im Buchhandel

Peripherie zeigt unterschiedliche Gesichter: Oft ist sie nur Resultat achtloser Planung. Manchmal indes begegnen wir innerstädtisch wachsender Peripherie in einem Zustand der Schwebe, in welchem Altes in Neues übergehen kann – ein Zwischenreich noch unausgeschöpfter Möglichkeiten fern des Zwanges zur ästhetischen Optimierung. Fotografie weiß Dinge zu zeigen, die wir ohne sie nicht sehen würden. Ganz besonders berührt uns das in fotografischen Arbeiten, die sich dem eigentlich Vertrauten widmen, der Peripherie, den Plattenbauten, Städten im Ruhrgebiet, dem strukturschwachen ländlichen Raum, dem Alltag in Deutschland, wie ihn Dokumentarfotografinnen sahen, die noch als Kind den Weltkrieg erlebt hatten.

All dies, mit einem Exkurs zu Blinden in der Fotografie, zeigt Kapitel für Kapitel welche Bedeutung architektonisch gestalteten oder vernachlässigten Räumen in unserem Leben zukommt, wie sie unsere Erinnerung bestimmen und welche wichtige Rolle hier die Fotografie einnimmt.

Das Buch hat beim deutschen Fotobuchpreis 2023/24 eine Bronzemedaille erhalten.

Einige Reaktionen auf das Buch

Eine schöne und informative Rezension von Michael Kröger zu meinem Buch „Vom Reiz der Peripherie“ befindet sich im Kunstbuchanzeiger.

Eine wunderbare Rezension von Ruth Asseyer befindet sich auf Kulturport.de.

Christian Holl empfiehlt in „Marlowes“ (Online-Magazin für Architektur und Stadt) in seiner Besprechung Stadt lesen, Stadt sehen unter anderen mein Buch.

In einer Sendung Büchermarkt des Deutschlandfunks werden in einem Gespräch zwischen Wiebke Porombka und Stefan Koldehoff Veröffentlichungen von Peter Bialobrzeski und mir vorgestellt.

Auf der Website mit Rezensionen des Instituts für Theater, Film und Medienwissenschaft der Universität Wien stellt David Krems kenntnisreich das Buch vor („Wer sich mit Fotografiegeschichte beschäftigt, kommt daran nicht vorbei“).

In einen sehr aufschlussreichen und interessanten Zusammenhang stellt Niklas Maak mein Buch in seinem am 19.11.2023 in der FAZ erschienenen Beitrag „Neue Heimat“: F-A-S-19.11.202334-Neue-Heimat-Niklas-Maak.pdf